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Geschichte der Beschneidung

Der Anfang der Zirkumzision liegt im Dunkeln, doch scheint sie weit älter zu sein, als der jüdische Glaube. Es findet sich zum Beispiel die Darstellung einer Beschneidung auf einem ägyptischen Relief. Warum damals Männer die Beschneidung durchführen ließen, ist nicht genau geklärt.

Beschneidung im Judentum

Laut der Bibel wurde die Beschneidung im Judentum durch den Stammvater Abraham eingeführt, allerdings steht im Buch Genesis darüber nichts Genaueres. Vermutlich wurde aber erst unter Moses oder vielleicht auch erst während des Babylonischen Exils (etwa 600 vor Christus) die Beschneidung zu einem Ritus. Nach der jüdischen Überlieferung hat die Beschneidung am 8. Tag nach der Geburt statt zu finden. Sie wird von einem speziell dafür ausgebildeten Beschneider, dem Mohel, durchgeführt. Ob der Eingriff nun unter Betäubung oder nicht stattfinden soll, darüber herrscht keine klare Aussage. Bei der Beschneidung tritt der Säugling in den Bund mit Gott ein.

Beschneidung im Islam

Bei den Muslimen wird die Beschneidung ebenfalls durchgeführt. Allerdings gilt hier keine so strenge Regel, was das Alter des Jungen betrifft. Sie wird in der Regel bis zu einem Alter von 13 Jahren durchgeführt. Oft gibt es zu diesem Anlass ein großes Familienfest. Die Beschneidung im Islam erfolgt in der Regel so, dass ein großer Teil der Eichel frei liegt. Dieser Beschneidungsstil wird als low & tight bezeichnet. Im Koran selber gibt es keine direkte Erwähnung der Beschneidung, aber eine Stelle, auf der sich Mohammed direkt auf Abraham bezieht und seinen Anhängern den Ratschlag gibt, seiner Religion zu folgen.

Beschneidung im Christentum

Obwohl das Christentum aus dem Judentum entstanden ist, spielte die Beschneidung bald keine große Rolle mehr. Nach christlichem Glauben kommt es nicht darauf an, ob jemand die Beschneidung durchführen lässt oder nicht, sondern nur, ob er den richtigen Glauben hat. Für die Ausbreitung des Christentums wäre es sehr hinderlich gewesen, wenn an der Tradition der Beschneidung festgehalten worden wäre. Da viele Christen anfangs Juden waren, gab es natürlich auch die Beschneidung noch. Als aber das Judenchristentum verschwand, wurde sie immer weniger praktiziert. Es gibt einige christliche Kirchen (zum Beispiel die Koptisch-Orthodoxe-Kirche), die sie noch durchführen. Im Christentum wurde die Beschneidung durch die Taufe abgelöst. Das Fest “Beschneidung des Herrn”, das jedes Jahr am Neujahrstag gefeiert wurde, schaffte das 2. Vatikanische Konzil ab.

Beschneidung in der Neuzeit

Beschneidungsvorschriften, die weder auf religiöser Überzeugung noch aus medizinischer Notwendigkeit stattfinden, grenzen beinahe schon an Genitalverstümmelung. Die Beschneidung wurde hier oft als Maßnahme gegen die Masturbation empfohlen. In vielen Fällen wurde sogar bewusst auf eine Betäubung verzichtet, damit dem Jungen dieser vorging als Besonders schmerzhaft in Erinnerung blieb und deshalb zu erwarten war, dass er von Masturbation in Zukunft die Finger lassen würde. In manchen Fällen wurde sogar eine Genitalverstümmelung als Bestrafung für die Masturbation empfohlen. Vor allen Dingen in England war diese Meinung stark verbreitet und durch die Kolonialisierung verbreitete sich diese Meinung bald in der ganzen Welt. Selbst in einem Lehrbuch der Urologie von 1970 wird zur Beschneidung geraten, um die Masturbation zu verhindern.

Beschneidung in der Gegenwart

In den USA ist die Beschneidung noch weit verbreitet. Aus einer Statistik aus dem Jahr 2005 geht hervor, dass bei 56 % der Neugeborenen bei der Entlassung aus der Klinik dieser Eingriff durchgeführt worden war. Darüber hinaus ist die Zirkumzision auch in den englischsprachigen Ländern Afrikas noch sehr weit verbreitet. Dort sind über 80 % beschnitten. In Europa hingegen ist die Quote eher gering.
Mit dem Auftreten von AIDS ist ein neuer Grund für die Beschneidung entstanden. Von der Weltgesundheitsorganisation wird das als eine (unter mehreren) Maßnahme angesehen, um die Ausbreitung von AIDS zu verhindern. Aus diesem Grund sind in die ganze Welt Kampagnen gestartet, die die Männer dazu bewegen sollen, sich beschneiden zu lassen. Diese Maßnahmen zeigten schon Wirkung, denn in Kenia zum Beispiel lässt sich ein Volk, das normalerweise nicht beschnitten ist, mittlerweile zum größten Teil beschneiden.

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Achtung: Die hier vorgestellten Informationen wurden privat erstellt. Sie ersetzen in keinem Fall eine professionelle Beratung von einem ausgebildeten Mediziner.